Redeangst überwinden: 7 Schritte zu mehr Sicherheit beim Präsentieren
- Lukas Thies

- 26. Nov. 2025
- 6 Min. Lesezeit
Viele Menschen haben mehr Angst vor dem öffentlichen Reden als vor allem anderen, dabei steckt in jedem von uns bereits alles, was wir für einen souveränen Auftritt brauchen. Hier erfährst du Schritt für Schritt, wie du deine Redeangst beruhigst und in Bühnenenergie verwandelst.

Verstehe, was hinter deiner Redeangst steckt
Redeangst ist keine Schwäche, sondern eine sehr menschliche Reaktion auf Bewertung und Unsicherheit. Häufig stecken dahinter alte Erfahrungen, kritische Kommentare oder Situationen, in denen du dich bloßgestellt gefühlt hast und die Situation mit einem negativen Gefühl abgespeichert wurde. Wenn du erkennst, dass dein Körper dich eigentlich nur „beschützen“ will, kannst du liebevoller mit dir umgehen, statt dich innerlich zu verurteilen. Soviel sei erst mal zur Theorie gesagt - ich weiß, das mindert die Angst noch lange nicht, aber wir halten fest: Redeangst ist kein Monster, was uns auffrisst, sondern lediglich ein psychologisches Muster, das wir verändern können und werden!
Nimm deine Angst an – statt gegen sie zu kämpfen
Der wichtigste Schritt ist, aufzuhören, die Angst wegdrücken zu wollen. Sag dir innerlich: „Ja, ich bin aufgeregt – und ich spreche trotzdem.“ Wenn du die Angst nicht mehr als Feind, sondern als Begleiter siehst, entspannst du dich unmittelbar. Akzeptanz nimmt deiner Nervosität den größten Teil ihrer Macht.
Beruhige deinen Körper mit Atem und Körperhaltung
Dein Körper ist der direkteste Hebel gegen Redeangst. Als sehr hilfreich hat sich folgendes erwiesen: Ruhiges Einatmen durch die Nase, Luft viermal so lange halten, doppelt so lange ausatmen wie eingeatmet.
Eselsbrücke: Valentinstag (kein Platz für Angst) 14.2.
1x Einatmen (3 Sekunden)
4x Luft halten (12 Sekunden)
2x Ausatmen (6 Sekunden)
Beide Füße fest auf den Boden stellen, aufrechter Stand und Schultern locker nach hinten. Vor dem Auftritt 1–2 Minuten bewusst langsamer atmen, statt dich von deinem Handy ablenken zu lassen.
So signalisierst du deinem Nervensystem: „Alles ist gut, ich bin sicher.“ Bei der Atemtechnik zur Senkung von Lampenfieber spielt das vegetative Nervensystem eine zentrale Rolle, insbesondere die beiden Gegenspieler Parasympathikus und Sympathikus.
Der Sympathikus ist das System für Kampf-oder-Flucht-Reaktionen. Wenn wir nervös sind, wird der Sympathikus aktiviert – Herzschlag und Atmung werden schneller, die Gefäße verengt, der Körper ist bereit zur Aktion. Das ist bei Lampenfieber oft „überaktiv“, was zu Herzrasen, flacher Atmung und Anspannung führt.
Der Parasympathikus wirkt als „Ruhenerv“ entgegengesetzt. Er wird durch langsames, tiefes Ausatmen aktiviert, senkt den Herzschlag, weitet die Gefäße und fördert Entspannung, Verdauung und Regeneration. Besonders wichtig ist hier die Aktivierung des Vagusnervs, der viele innere Organe entspannt und Ruhe vermittelt.
Bei der empfohlenen Atemtechnik wird durch die verlängerte Ausatmung der Parasympathikus stimuliert und der Sympathikus gehemmt. Das führt zur Beruhigung des Körpers und zur Reduktion von Lampenfieber.
Durch gesteuerte Atmung lenkst du bewusst das vegetative Nervensystem weg vom stresssteigernden Sympathikus hin zum entspannenden Parasympathikus. So beruhigt sich Herz-Kreislauf-System, Muskeltonus sinkt, und Lampenfieber wird spürbar reduziert.
Sei vorbereitet und zwar top
Oft ist ein Teil der Nervosität schlicht: „Ich bin mir nicht sicher, was ich gleich sagen soll und die Befürchtung vor etwas Unerwartetem. Nur zu gut ist auch mir das bekannt. Eine klare Struktur nimmt dir enorm viel Druck:
Start: Einstiegssatz, Frage, Zitat, kurze persönliche Geschichte, etwas was das Publikum sofort zum Zuhören bewegt.
Mitte: 2–3 Kernbotschaften, die du unbedingt rüberbringen willst.
Schluss: Ein prägnanter Schlusssatz oder eine Aufforderung je nach Redeziel. Je besser du deine Kernpunkte kennst, desto weniger musst du „performen“ – du erzählst einfach, was du weißt.
Übe, aber richtig: vom Wohnzimmer zum Auftritt
Baue deine Komfortzone Schritt für Schritt aus:
Stufe 1: Rede vor dem Spiegel halten oder mit dem Handy aufnehmen.
Stufe 2: Halte deine kurze Rede vor einer Freundin, deinem Partner oder einer kleinen Gruppe.
Stufe 3: Nutze geschützte Räume wie Toastmasters, interne Meetings oder Workshops, um regelmäßig zu sprechen. Regelmäßige, kleine Auftritte sind ein wirksamen Training um deine Redeangst zu überwinden.
Lenke deinen Fokus vom „Ich“ zum Publikum
Bei Redeangst dreht sich das Gedankenkarussell um dich selbst: „Wie wirke ich? Was geschieht, wenn ich mich verspreche?“ Wenn du deinen Fokus bewusst auf dein Publikum lenkst, wird es leichter:
Frage dich:
Wie sollen sich die Menschen im Raum nach meiner Rede fühlen und was möchte ich ihnen als Kernbotschaft mitgeben?
Schaue dein Publikum freundlich an, statt den Boden zu fixieren.
Stelle Fragen – Interaktion nimmt Druck und schafft Verbindung. Wenn du innerlich bei deinem Publikum bist, bist du automatisch weniger in deiner Angst.
Erlaube dir, unperfekt sichtbar zu sein
Viele Menschen mit Redeangst haben einen extrem starken inneren Perfektionisten. Doch das Publikum will keine Roboter, sondern echte Menschen. Deshalb sage ich dir aus Erfahrung: Versprecher, Denkpausen, rote Wangen und Ähnliches sind vollkommen okay.
Merke dir folgendes: Authentizität ist sympathischer als Perfektion. Entscheidend ist nicht, dass alles glattläuft – entscheidend ist, dass du da bist, deine Botschaft teilst und drangeblieben bist.
Bonustipp:
Mit den eben genannten 7 Schritten kannst du dein Lampenfieber deutlich reduzieren. Als Bonustipp möchte ich dir Powerposen empfehlen. Vielleicht kennst du sie, vielleicht auch nicht, Fakt ist sie wirken und sie wirken extrem stark, wenn du sie tatsächlich auch anwendest.
Powerposen sind einfache, wirkungsvolle Methode, um noch mehr die vorhandene Angstenergie zu deinem Vorteil zu nutzen und umzuwandeln. Ich erläutere dir kurz, wie Powerposen am wirkungsvollsten funktionieren, warum sie so stark gegen Lampenfieber helfen und wie du sie vor deinem Auftritt optimal einsetzt.

Was sind Powerposen?
Powerposen sind kraftvolle Körperhaltungen, die dein Selbstbewusstsein verstärken. Die bekannteste Powerpose ist das „Superman-Standbein“, bei dem du aufrecht stehst, die Brust nach vorne schiebst und die Hände in die Hüften stemmst. Diese Haltung und andere Powerposen senden Signale an dein Gehirn, die Stress reduzieren und das Gefühl von Sicherheit erhöhen.
Wie wirken Powerposen bei Lampenfieber?
Studien zeigen, dass das Einnehmen von Powerposen die Ausschüttung von Stresshormonen wie Cortisol senkt und das „Glückshormon“ Testosteron erhöht. Dadurch fühlt sich der Körper entspannter und selbstsicherer. Vor einem Vortrag aktiviert die Pose den Parasympathikus, das Nervensystem für Ruhe und Regeneration, und hemmt den Sympathikus, der für Stress und Angst verantwortlich ist.
Praktische Anwendung vor dem Vortrag
Nimm dir 2 Minuten vor deinem Auftritt Zeit für Powerposen. Stelle dich aufrecht hin und halte eine der folgenden Posen. Kleiner Tipp, du kannst das ganze Procedere, falls es dir unangenehm sein sollte, einfach auf der Toilettenkabine durchführen, dann bekommt das kein anderer mit.
Hände in die Hüften stemmen
Arme hinter dem Kopf verschränkt
Fäuste in die Hüften pressen
beide Arme als V ausgestreckt Richtung Himmel
Atme dabei tief und ruhig ein und aus. Diese bewusste Körperhaltung hilft dir, Lampenfieber zu mindern und selbstbewusst zu starten. Powerposen wirken am besten in Kombination mit anderen entspannenden Techniken wie der Bauchatmung oder mentalen Visualisierungen. Übe deine Rede gut, strukturiere deine Inhalte klar und fokussiere dich vor allem auf dein Publikum, nicht auf deine Angst.
Wie lange sollte ich eine Powerpose halten?
Mindestens 2 Minuten, um eine hormonelle Wirkung zu erzielen.
Wann ist der beste Zeitpunkt für Powerposen?
Idealerweise direkt vor dem Auftritt oder dem Start deiner Präsentation.
Kann jeder Powerposen anwenden?
Ja, Powerposen sind für jeden geeignet und erfordern keine spezielle Ausrüstung.
Gibt es wissenschaftliche Belege für die Wirkung?
Ja, Studien von Amy Cuddy und weiteren Forschern belegen die positive Wirkung auf Selbstbewusstsein und Stressreduktion.
Weiterführende Quellen und Empfehlungen
Wenn du tiefer in das Thema einsteigen willst, empfehle ich dir das Buch „Presence“ von Amy Cuddy. In Youtube wirst du unter dem Begriff "Powerposen" auch fündig und einige Videos dazu entdecken die verschiedene Powerpose-Übungen zeigen.
Meine persönliche Lieblingspowerpose ist und bleibt die Siegerpose (beide Arme ausgestreckt als V in Richtung Himmel zeigend) - deswegen wird sie auch gerne V-Pose bezeichnet.
Powerposen sind eine einfache, wissenschaftlich belegte Methode, um Lampenfieber zu reduzieren und die eigene Bühnenpräsenz zu stärken. Nutze sie daher konsequent vor deinem nächsten Vortrag und erlebe, wie sich deine Nervosität in positive Energie verwandelt.
Mein Fazit:
Ich will ehrlich zu dir sein: Redeangst verschwindet nicht von heute auf morgen, auch wenn das eine wunderbare Vorstellung ist - da bin ich ganz bei dir! Allerdings und nun kommen wir zu der erfreulichen Nachricht wird sie immer kleiner, je öfter du dich ihr in kleinen, machbaren Schritten stellst.
Deine Aufgabe: Suche dir mindestens einen der sieben Schritte aus, setze diesen bei deiner nächster Rede um und beobachte, was sich verändert.
Welchen der 7 Schritte wirst du als Erstes umsetzen, schreibe es gerne in die Kommentare. Allein damit sagst du deinem Unterbewusstsein: „Ich bin bereit mich der Angst zu stellen und sie zu transformieren.“
Stirb und werde, der du bist!



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