Mit Logos, Pathos und Ethos überzeugen: Praxisbeispiele und Tipps
- Lukas Thies

- 27. Okt.
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 17. Nov.
Logos, Pathos, Ethos – Die drei Säulen der Überzeugung
Jede Rede, jedes Referat und jeder überzeugende Text beruht auf einem unsichtbaren Fundament – den drei klassischen Säulen der Rhetorik: Logos, Pathos und Ethos. Der griechische Philosoph Aristoteles beschrieb sie als Grundpfeiler jeder wirkungsvollen Argumentation. Doch was bedeuten sie genau – und wie kannst du sie gezielt einsetzen?
Logos – Die Macht der Logik
Logos steht für den rationalen Teil deiner Botschaft. Es geht um Argumente, Zahlen, Fakten und nachvollziehbare Strukturen. Wenn du möchtest, dass dein Publikum dir glaubt, musst du es durch klare Beweise überzeugen.
Beispielhaft gelingt das mit:
anschaulichen Statistiken
logischen Schlussfolgerungen
präzisen Beispielen
Tipp: Achte darauf, dass deine Argumentationskette in sich stimmig ist. Unlogische Übergänge oder übertriebene Verallgemeinerungen schwächen dein Logos.
Pathos – Die Sprache der Emotionen
Pathos weckt Gefühle. Leidenschaft, Sorge, Freude oder Staunen – Emotionen sind das, was Menschen in Bewegung bringt. Ein Auftritt ohne Pathos bleibt kalt und distanziert.
Du stärkt dein Pathos, indem du:
Geschichten erzählst, die berühren
bildhafte Sprache nutzt
mit Stimme, Mimik und Gestik Emotionen ausdrückst
Tipp: Bleib authentisch. Übertriebene Theatralik schadet deiner Glaubwürdigkeit mehr, als sie nützt.
Ethos – Die Glaubwürdigkeit der Person
Ethos beschreibt das Vertrauen, das dein Publikum in dich als sprechende Person hat. Menschen hören jemandem eher zu, wenn sie ihn als kompetent, ehrlich und integer wahrnehmen.
Du stärkst dein Ethos, wenn du:
Kompetenz zeigst (z. B. durch Erfahrung oder Wissen)
respektvoll und offen auftrittst
zu deinen Werten stehst
Tipp: Ethos ist keine Fassade – es entsteht durch Konsistenz zwischen dem, was du sagst, und dem, was du tust.

Wirklich überzeugend wirst du, wenn Logos, Pathos und Ethos im Gleichgewicht stehen. Nur Fakten ohne Emotion erreichen das Herz nicht. Nur Emotion ohne Glaubwürdigkeit überzeugt nicht dauerhaft. Und nur Charakter ohne Argumentation bleibt eine leere Geste.
Aristoteles wusste schon: Überzeugungskraft ist keine Kunst des Zufalls, sondern das Ergebnis bewusster Balance.
Logos, Pathos und Ethos sind für Studierende nicht nur zentrale Werkzeuge im Referat oder bei der Projektpräsentation – sondern essenziell für jedes Gespräch, jede Argumentation und jede Bewerbung. Hier folgt ein Blogbeitrag mit Praxisbeispiel und Übung, speziell für den Alltag von Studierenden.
Rhetorisches Dreieck nach Aristoteles: Logos, Pathos, Ethos im Studium
Jeder von uns steht regelmäßig vor der Aufgabe, andere von einer Idee, einer Meinung oder einer Arbeit zu überzeugen – sei es bei Gruppenarbeiten, der Diskussion mit Dozenten oder im Bewerbungsgespräch. Das antike Konzept von Logos, Pathos und Ethos ist dabei der Schlüssel zur überzeugenden Kommunikation.
Praxisbeispiel aus dem Studienalltag
Stell dir vor, du möchtest deine Kommilitonen davon überzeugen, dass eure Gruppe im Seminar ein kontroverses Thema bearbeiten sollte, beispielsweise „Künstliche Intelligenz und Ethik“:
Logos: Du begründest: „Künstliche Intelligenz ist aktuell ein zentrales Thema in der Forschung. Laut aktuellen Studien werden KI-Systeme bis 2030 in fast allen Branchen präsent sein.“
Pathos: Du appellierst: „Stellt euch vor, einfache Alltagsentscheidungen werden künftig von Algorithmen getroffen, die niemand versteht – welche Folgen könnte das für unser Leben haben? Ist das nicht faszinierend, aber auch etwas beängstigend?“
Ethos: Du zeigst deine Position: „Ich habe mich im Rahmen eines Praktikums intensiv mit KI beschäftigt und war überrascht, wie komplex die ethischen Fragen dabei sind.“
Übung: Logos, Pathos, Ethos im Alltag nutzen
Nimm dir eine typische Kommunikationssituation vor, z.B. die Bitte an einen Dozenten, den Abgabetermin zu verschieben. Schreibe jeweils einen Satz, der auf Logos, Pathos und Ethos setzt:
Logos: „Mehrere Gruppenmitglieder waren krank – die erarbeiteten Materialien sind daher noch nicht vollständig.“
Pathos: „Wir möchten gern ein Ergebnis abliefern, auf das wir wirklich stolz sein können – deshalb wäre etwas mehr Zeit für uns enorm wichtig.“
Ethos: „Wir haben bisher alle Fristen eingehalten und nehmen das Seminar sehr ernst. Deshalb bitten wir einmalig um Verständnis.“
Teste die Wirkung: Welche Variante kommt besser an? Kombiniere im Gespräch idealerweise alle drei Elemente!
Fazit
Logos, Pathos und Ethos sind nicht nur Theorien aus irgendeinem Rhetorik Seminar, sondern sondern sehr wertvolle, mächtige Kommunikationswerkzeuge für den Studienalltag. Wer diese rhetorischen Techniken bewusst einsetzt, kommuniziert klarer, überzeugender und gewinnt leichter Mitstreiter – ob im Projekt, bei Referaten oder im Bewerbungsgespräch.
Diese Übung lässt sich auf viele Situationen anpassen – vom WG-Gespräch bis zum wissenschaftlichen Vortrag. Probiere es unbedingt mal aus und beobachte, wie sich die Atmosphäre und die Reaktionen verändern!



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